Wer in den vergangenen Jahren Bilder oder Videos aus dem Jemen gesehen hat, ist vielleicht auf eine ungewöhnliche Szene gestoßen: Menschen sitzen über Stunden zusammen und kauen grüne Blätter, die sie häufig in einer Backentasche sammeln.
Bei diesen Blättern handelt es sich meist um Khat – auch Qat, Kat, Kath oder Chat genannt. Der botanische Name der Pflanze lautet Catha edulis.
Khat besitzt im Jemen und in Teilen Ostafrikas eine jahrhundertealte kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung. Gleichzeitig ist es keine gewöhnliche Teepflanze. Frische Khat-Blätter enthalten mit Cathinon einen psychoaktiven Wirkstoff mit stimulierender Wirkung.
In Deutschland ist dieser Punkt besonders wichtig: Khat darf nicht wie Tee oder andere Kräuter frei gekauft, verkauft, eingeführt oder besessen werden. Cathinon unterliegt dem deutschen Betäubungsmittelrecht.
Dieser Artikel erklärt, woher Khat stammt, warum es insbesondere mit dem Jemen verbunden wird, wie es traditionell verwendet wird, welche Wirkstoffe enthalten sind, welche Wirkungen und Risiken wissenschaftlich beschrieben wurden und wie die rechtliche Situation in Deutschland und Europa aussieht.
Was ist Khat?
Khat stammt von Catha edulis, einem immergrünen Strauch beziehungsweise kleinen Baum aus der Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae).
Die Pflanze wird insbesondere in Teilen von:
- Äthiopien
- Kenia
- Somalia
- Dschibuti
- Jemen
kultiviert beziehungsweise traditionell verwendet.
Verwendet werden hauptsächlich die jungen, frischen Blätter und Triebe.
Die Europäische Drogenagentur EUDA (European Union Drugs Agency) beschreibt Khat als die Blätter und jungen Triebe von Catha edulis. Als wichtigste psychoaktive Inhaltsstoffe gelten Cathinon und Cathin (Norpseudoephedrin).
Cathinon ist chemisch eng mit Amphetamin verwandt. Seine pharmakologischen Wirkungen ähneln qualitativ denen von Amphetamin, allerdings ist Cathinon weniger potent.
Quelle: European Union Drugs Agency (EUDA), Khat drug profile.
Warum wird Khat häufig mit dem Jemen verbunden?
Obwohl Khat heute besonders stark mit dem Jemen assoziiert wird, ist die Geschichte der Pflanze komplexer.
Historische Quellen haben lange unterschiedliche Ursprungsregionen vorgeschlagen. Moderne genetische Untersuchungen liefern jedoch interessante Hinweise.
Eine 2017 im American Journal of Botany veröffentlichte genetische Untersuchung analysierte mehr als 1.500 wilde und kultivierte Pflanzen aus den traditionellen Anbaugebieten.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass wichtige Ursprungszentren kultivierter Khat-Pflanzen in Äthiopien und Kenia liegen. Besonders interessant: Die untersuchten kultivierten Khat-Pflanzen aus dem Jemen ließen sich genetisch auf äthiopische Populationen zurückführen.
Die verbreitete Vorstellung, Khat sei ursprünglich eine rein jemenitische Pflanze, lässt sich daher wissenschaftlich nicht bestätigen.
Quelle: Krizevski et al., American Journal of Botany, 2017.
Wie alt ist die Tradition des Khat-Kauens?
Khat wird seit vielen Jahrhunderten konsumiert.
Eine der frühesten glaubwürdigen historischen Erwähnungen stammt aus Äthiopien und findet sich in Chroniken aus der Regierungszeit des äthiopischen Königs Amda Seyon I. im frühen 14. Jahrhundert.
Auch für den Jemen existieren Hinweise auf Khat-Anbau aus dem 14. Jahrhundert. Eindeutige schriftliche Belege für die Bezeichnung Qat/Khat im Jemen werden allerdings erst später häufiger.
Damit lässt sich relativ sicher sagen:
Khat wird sowohl in Äthiopien als auch im Jemen seit mindestens rund 600 Jahren kultiviert und verwendet.
Die wissenschaftliche Beschreibung der Pflanze in Europa erfolgte wesentlich später. Der finnisch-schwedische Naturforscher Peter Forsskål beschrieb die Pflanze im Zusammenhang mit der berühmten dänischen Arabien-Expedition des 18. Jahrhunderts. Die botanische Literatur zu Catha edulis entwickelte sich anschließend weiter.
Quellen: American Journal of Botany; Archives of Natural History; Journal of Ethnopharmacology.
Welche Bedeutung hat Khat im Jemen?
Im Jemen ist Khat weit mehr als nur eine psychoaktiv wirkende Pflanze.
Das gemeinsame Kauen kann Bestandteil sozialer Zusammenkünfte sein. Menschen treffen sich, unterhalten sich und verbringen teilweise mehrere Stunden gemeinsam.
Damit besitzt Khat in Teilen der Gesellschaft eine soziale Funktion, die sich nicht allein über seine pharmakologische Wirkung erklären lässt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Konsum gesundheitlich unproblematisch wäre.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt sowohl gesundheitliche als auch soziale und wirtschaftliche Probleme, die insbesondere mit regelmäßigem oder übermäßigem Konsum verbunden sein können.
Wie wird Khat konsumiert?
Die traditionelle Konsumform ist nicht das Trinken als Tee, sondern das Kauen der frischen Blätter und jungen Triebe.
Dabei werden die Blätter über längere Zeit gekaut und häufig in einer Backentasche gesammelt. Die Wirkstoffe gelangen über Speichel und Verdauungssystem in den Körper.
Warum müssen die Blätter möglichst frisch sein?
Der entscheidende Wirkstoff Cathinon ist relativ instabil.
Nach der Ernte nimmt sein Gehalt ab, da Cathinon chemisch abgebaut beziehungsweise umgewandelt wird. Deshalb werden für die traditionelle stimulierende Wirkung bevorzugt frische Blätter verwendet.
Historisch wurden getrocknete Blätter allerdings ebenfalls verwendet und teilweise als Aufguss zubereitet. Daher findet man Bezeichnungen wie:
Abyssinian Tea – Abessinischer Tee
oder
Arabian Tea – Arabischer Tee.
Diese historischen Namen können allerdings irreführend sein: Khat ist pharmakologisch nicht mit gewöhnlichem Schwarztee, Grüntee oder Kräutertee gleichzusetzen.
Welche Wirkstoffe enthält Khat?
Die wichtigsten psychoaktiven Bestandteile sind:
Cathinon
Cathinon gilt als der wichtigste stimulierende Wirkstoff frischer Khat-Blätter.
Chemisch handelt es sich um das β-Keto-Analogon von Amphetamin.
Seine Wirkung auf das zentrale Nervensystem weist Ähnlichkeiten mit Amphetamin auf, ist jedoch schwächer.
Cathin
Cathin – auch Norpseudoephedrin genannt – besitzt ebenfalls stimulierende Eigenschaften, wirkt jedoch schwächer als Cathinon.
Darüber hinaus enthält die Pflanze zahlreiche weitere Pflanzenstoffe, darunter Tannine, Flavonoide, Terpene, Sterole und sogenannte Catheduline.
Quellen: EUDA; WHO; Al-Hebshi & Skaug, Addiction Biology.
Welche Wirkung hat Khat?
Die Wirkung hängt unter anderem von der Menge, der Frische der Blätter, der individuellen Empfindlichkeit, der Konsumdauer und der Gewöhnung ab.
Typischerweise werden stimulierende Effekte beschrieben.
Dazu gehören unter anderem:
- erhöhte Wachheit
- gesteigerte Aufmerksamkeit
- subjektiv erhöhte Energie
- stärkere Gesprächigkeit
- vermindertes Müdigkeitsgefühl
- vermindertes Hungergefühl
- gesteigertes Selbstvertrauen
- Euphorie beziehungsweise ein Gefühl des Wohlbefindens
Die WHO beschreibt Euphorie und erhöhte Wachheit als typische psychoaktive Wirkungen von Khat.
Damit unterscheidet sich Khat deutlich von gewöhnlichem Tee oder Kaffee.
Auch Kaffee stimuliert das zentrale Nervensystem, hauptsächlich über Koffein. Bei Khat beruht die zentrale stimulierende Wirkung dagegen vor allem auf Cathinon und Cathin.
Cathinon beeinflusst insbesondere die Aktivität von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin und erzeugt dadurch eine sympathomimetische stimulierende Wirkung.
Quellen: WHO Expert Committee on Drug Dependence; EUDA; Review in Journal of Ethnopharmacology.
Wie schnell und wie lange wirkt Khat?
Die Wirkung tritt beim traditionellen Kauen nicht unmittelbar auf.
Nach Angaben der EUDA erreichen die Cathinon-Konzentrationen im Blut ungefähr 1,5 bis 3,5 Stunden nach Beginn des Kauens ihren Höhepunkt.
Die Eliminationshalbwertszeit von Cathinon wird mit ungefähr 1,5 Stunden angegeben, während Cathin deutlich länger im Körper verbleibt.
Da traditionelle Khat-Sitzungen mehrere Stunden dauern können, kann auch die wahrgenommene stimulierende Wirkung über einen längeren Zeitraum bestehen.
Quelle: European Union Drugs Agency (EUDA).
Khat, Kaffee und Tee: Das ist nicht dasselbe
Weil getrocknete Khat-Blätter historisch teilweise als „Arabian Tea“ oder „Abyssinian Tea“ bezeichnet wurden, entsteht leicht ein falscher Eindruck.
Khat ist kein normaler Tee.
| Produkt | Hauptwirkstoff | Typische Wirkung |
|---|---|---|
| Grüntee | Koffein + L-Theanin | Wachheit und Aufmerksamkeit |
| Kaffee | Koffein | Wachheit und Stimulation |
| Mate | Koffein | stimulierend und wachmachend |
| Khat | Cathinon + Cathin | deutlich psychoaktiv und stimulierend |
Die Wirkung lässt sich allerdings nicht seriös mit einfachen Angaben wie „viermal stärker als Kaffee“ vergleichen. Die Substanzen besitzen unterschiedliche Wirkmechanismen, Dosierungen und Pharmakokinetiken.
Welche Nebenwirkungen kann Khat haben?
Die stimulierende Wirkung betrifft nicht nur das Gehirn, sondern auch das Herz-Kreislauf-System.
Die WHO nennt unter anderem:
- erhöhten Blutdruck
- beschleunigten Herzschlag
- Schlaflosigkeit
- verminderten Appetit
- Verstopfung
- Reizbarkeit
- Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne
Auch psychische Beschwerden sind beschrieben worden.
Bei intensivem oder problematischem Konsum wurden unter anderem depressive Symptome, Angstzustände, paranoide Reaktionen und psychotische Episoden beobachtet.
Eine systematische Übersichtsarbeit zu psychiatrischen Symptomen fand eine statistische Assoziation zwischen Khat-Konsum und einer erhöhten Prävalenz psychiatrischer Symptome. Solche Beobachtungsdaten beweisen allerdings nicht automatisch, dass Khat in jedem einzelnen Fall die alleinige Ursache ist.
Quellen: WHO; Odenwald et al.; Systematic Review zu Khat und psychiatrischen Symptomen.
Welche Auswirkungen hat Khat auf Herz und Kreislauf?
Hier existieren besonders interessante wissenschaftliche Daten.
Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse mit insgesamt 9.207 untersuchten Personen verglich Khat-Konsumenten mit Nicht-Konsumenten.
Im Durchschnitt lagen bei den Khat-Konsumenten:
- der systolische Blutdruck um etwa 7,9 mmHg höher
- der diastolische Blutdruck um etwa 5,1 mmHg höher
- die Herzfrequenz um etwa 6,9 Schläge pro Minute höher
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Khat einen relevanten Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System haben kann.
Auch Zusammenhänge mit Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz wurden untersucht.
Dabei ist wissenschaftliche Vorsicht wichtig: Bei einigen langfristigen Erkrankungen lässt sich aufgrund möglicher Begleitfaktoren nicht immer eindeutig feststellen, welcher Anteil des Risikos unmittelbar durch Khat verursacht wird.
Quelle: Al-Motarreb et al. bzw. systematische Übersichtsarbeiten zu Khat und kardiovaskulären Erkrankungen.
Kann Khat abhängig machen?
Auch hier muss differenziert werden.
Regelmäßiger Konsum kann zu psychischer Abhängigkeit und Gewöhnung führen.
Nach längerem Konsum wurden beim Absetzen unter anderem folgende Symptome beschrieben:
- Energielosigkeit
- Müdigkeit
- depressive Stimmung
- leichte körperliche Unruhe beziehungsweise Zittern
Die WHO kam bei ihrer Bewertung zu dem Ergebnis, dass Khat ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial besitzt, dieses auf internationaler Ebene jedoch nicht als ausreichend hoch eingeschätzt wurde, um die gesamte Pflanze unter internationale Kontrolle zu stellen.
Das ist eine wichtige Unterscheidung:
Die WHO erklärt Khat damit nicht für harmlos.
Sie kam lediglich zu dem Schluss, dass eine internationale Einstufung der gesamten Pflanze nach den entsprechenden UN-Konventionen nicht gerechtfertigt sei.
Ist Khat in Deutschland legal?
Nein.
Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist dies der wichtigste rechtliche Punkt dieses Artikels:
Khat darf in Deutschland nicht wie Tee oder ein gewöhnliches pflanzliches Produkt gekauft, verkauft, eingeführt oder besessen werden.
Der entscheidende Grund ist der enthaltene Wirkstoff Cathinon.
Cathinon ist im deutschen Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage I, als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel aufgeführt.
Damit gehört Cathinon zu Stoffen, die grundsätzlich nicht frei gehandelt werden dürfen.
Das staatlich geförderte Informationsportal drugcom.de fasst die Rechtslage entsprechend zusammen: Besitz, Einfuhr und Handel von Khat sind in Deutschland verboten.
Und was ist mit Cathin?
Hier besteht eine wichtige juristische Feinheit.
Cathin ist ebenfalls im BtMG aufgeführt, allerdings in Anlage III.
Anlage III umfasst grundsätzlich verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Für bestimmte niedrig dosierte Cathin-Zubereitungen bestehen zusätzlich gesetzlich definierte Ausnahmen.
Das ändert jedoch nichts an der entscheidenden Aussage für Khat:
Frische Khat-Blätter sind in Deutschland kein legal handelbarer „Tee“.
Wer Khat im Internet findet oder aus einem anderen Land nach Deutschland mitbringen möchte, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass es sich lediglich um ein exotisches Pflanzenprodukt handelt.
Quellen: Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet, BtMG Anlage I und III; drugcom.de.
Darf man Khat nach Deutschland bestellen?
Nein, eine Bestellung aus dem Ausland macht den Besitz oder die Einfuhr nicht legal.
Auch wenn Khat in einem anderen Staat erhältlich sein sollte, gelten bei der Einfuhr nach Deutschland die deutschen Vorschriften.
Insbesondere sollte die Tatsache, dass Khat eine Pflanze ist, nicht mit Legalität verwechselt werden.
„Natürlich“ bedeutet rechtlich nicht automatisch „erlaubt“.
Wie ist die Rechtslage in der Europäischen Union?
Hier ist die Situation komplizierter.
Es gibt kein einheitliches EU-weites Verbot der gesamten Khat-Pflanze.
Nach Angaben der European Union Drugs Agency (EUDA) unterliegt Catha edulis selbst keiner einheitlichen internationalen Kontrolle.
Die einzelnen europäischen Staaten haben jedoch eigene Regelungen eingeführt.
Die EUDA nennt unter anderem:
- Deutschland
- Frankreich
- Belgien
- Dänemark
- Irland
- Italien
- Griechenland
- Lettland
- Litauen
- Polen
- Slowenien
- Finnland
- Schweden
als europäische Staaten, in denen Khat kontrolliert wird.
Auch außerhalb der EU bestehen entsprechende Verbote beziehungsweise Kontrollen beispielsweise in Norwegen und der Schweiz.
Die Rechtslage kann sich von Land zu Land unterscheiden und sollte deshalb immer anhand der aktuellen nationalen Gesetzgebung geprüft werden.
Warum gibt es trotzdem internationale Unterschiede?
Der Grund liegt unter anderem in der besonderen internationalen Einstufung.
Die Khat-Pflanze selbst steht nicht unter der internationalen Kontrolle der UN-Drogenkonventionen.
Ihre beiden wichtigsten psychoaktiven Inhaltsstoffe dagegen schon:
Cathinon → Schedule I
Cathin → Schedule III
des Übereinkommens der Vereinten Nationen über psychotrope Stoffe von 1971.
Die WHO überprüfte Khat mehrfach. Bei der Bewertung durch das Expert Committee on Drug Dependence wurde entschieden, die gesamte Pflanze nicht international zu kontrollieren.
Staaten können Khat jedoch unabhängig davon national verbieten – genau das hat Deutschland getan.
Warum ist Khat im Jemen trotzdem so verbreitet?
Hier treffen Pharmakologie, Geschichte, Landwirtschaft und Kultur aufeinander.
Khat ist in Teilen des Jemen seit Jahrhunderten gesellschaftlich etabliert. Gemeinsame Khat-Sitzungen können soziale Ereignisse sein, bei denen gesprochen, diskutiert und Zeit miteinander verbracht wird.
Deshalb wäre es zu einfach, den Konsum ausschließlich als „Drogenkonsum“ zu betrachten, ohne seinen kulturellen Kontext zu erklären.
Umgekehrt darf die kulturelle Tradition nicht dazu führen, gesundheitliche Risiken zu verharmlosen.
Gerade diese Kombination macht Khat aus ethnobotanischer Sicht so interessant: Eine Pflanze kann in einer Gesellschaft tief in Alltagskultur und Geschichte eingebettet sein und gleichzeitig pharmakologisch potente psychoaktive Substanzen enthalten.
Ist Khat-Tee eine Alternative zu Kaffee oder Grüntee?
Nein.
Auch wenn Bezeichnungen wie „Arabian Tea“ oder „Abyssinian Tea“ existieren, sollte Khat nicht mit gewöhnlichen koffeinhaltigen Getränken gleichgesetzt werden.
Wer lediglich einen natürlichen Wachmacher sucht, findet in legal erhältlichen Getränken völlig andere Wirkstoffprofile.
Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Mate enthalten hauptsächlich Koffein als stimulierenden Wirkstoff.
Khat enthält dagegen Cathinon.
In Deutschland kommt zusätzlich die klare rechtliche Situation hinzu: Khat ist keine legal erhältliche Alternative zu Tee oder Kaffee.
Häufige Fragen zu Khat
Was ist Khat?
Khat bezeichnet die jungen Blätter und Triebe der Pflanze Catha edulis. Sie werden insbesondere in Teilen Ostafrikas und auf der südwestlichen Arabischen Halbinsel traditionell gekaut.
Ist Khat eine Droge?
Khat enthält mit Cathinon eine psychoaktive stimulierende Substanz. Cathinon ist chemisch eng mit Amphetamin verwandt und wirkt stimulierend auf das zentrale Nervensystem.
Macht Khat euphorisch?
Ja. Euphorie beziehungsweise ein subjektives Wohlgefühl gehört zu den wissenschaftlich beschriebenen Wirkungen von Khat. Die Intensität hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab und lässt sich nicht seriös mit einer festen „Stärke“ angeben.
Ist Khat stärker als Kaffee?
Ein direkter Vergleich ist wissenschaftlich wenig sinnvoll. Kaffee wirkt hauptsächlich über Koffein, Khat vor allem über Cathinon und Cathin. Cathinon besitzt amphetaminähnliche stimulierende Eigenschaften und unterscheidet sich pharmakologisch deutlich von Koffein.
Kann man aus Khat Tee machen?
Historisch wurden auch Aufgüsse aus getrockneten Khat-Blättern konsumiert, weshalb Bezeichnungen wie „Abyssinian Tea“ oder „Arabian Tea“ entstanden. Die traditionelle Konsumform ist jedoch das Kauen frischer Blätter.
Ist Khat in Deutschland erlaubt?
Nein. Besitz, Einfuhr und Handel von Khat sind in Deutschland verboten. Der Hauptwirkstoff Cathinon ist in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes aufgeführt.
Ist Khat in der gesamten EU verboten?
Nein. Für die gesamte Pflanze besteht kein einheitliches EU-weites Verbot. Die Mitgliedstaaten regeln Khat teilweise unterschiedlich. Deutschland und zahlreiche weitere europäische Staaten kontrollieren beziehungsweise verbieten Khat jedoch national.
Fazit: Eine traditionsreiche Pflanze mit psychoaktiver Wirkung
Khat beziehungsweise Catha edulis ist ein interessantes Beispiel dafür, wie eng Pflanzen, Kultur und Pharmakologie miteinander verbunden sein können.
Die Geschichte der Pflanze reicht mindestens mehrere Jahrhunderte zurück. Besonders in Äthiopien, anderen Teilen Ostafrikas und im Jemen entwickelte sich eine ausgeprägte Khat-Kultur.
Moderne genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass wichtige Linien des heute im Jemen kultivierten Khat ursprünglich aus Äthiopien stammen.
Für die stimulierende Wirkung ist hauptsächlich Cathinon verantwortlich. Es ist chemisch mit Amphetamin verwandt und kann unter anderem Wachheit, Energie und Euphorie hervorrufen. Gleichzeitig sind Nebenwirkungen auf Herz-Kreislauf-System, Schlaf und Psyche dokumentiert.
Und für Deutschland gilt unabhängig von seiner kulturellen Geschichte:
Khat ist kein frei verkäuflicher Tee oder Kräuterartikel. Besitz, Einfuhr und Handel sind in Deutschland verboten.
Die Bezeichnung „Arabian Tea“ sollte daher keinesfalls so verstanden werden, als könne Khat hierzulande wie Grüntee, Schwarztee oder Kräutertee gekauft und konsumiert werden.
Quellen und weiterführende Literatur
European Union Drugs Agency (EUDA):
Khat drug profile – Informationen zu Inhaltsstoffen, Pharmakologie, Konsum und europäischer Rechtslage.
Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet:
Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage I – Cathinon.
Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III – Cathin.
WHO – Expert Committee on Drug Dependence:
Khat (Catha edulis) – Critical Review / Expert Committee assessment.
WHO Regional Office for the Eastern Mediterranean:
Khat use and related addiction, mental health and physical disorders: the need to address a growing risk.
European Union Drugs Agency:
Khat use in Europe: implications for European policy.
Krizevski R. et al.:
Genetic evidence for the origins and dispersal of cultivated qat (Catha edulis). American Journal of Botany.
Al-Hebshi N.N., Skaug N.:
Khat (Catha edulis) – an updated review. Addiction Biology.
Cox G., Rampes H. / weitere Reviews:
Übersichtsarbeiten zu Pharmakologie, Toxikologie und gesundheitlichen Auswirkungen von Catha edulis.
Systematic Review and Meta-Analysis:
Khat (Catha edulis) as a Risk Factor for Cardiovascular Disorders.
drugcom.de:
Drogenlexikon – Khat, einschließlich Informationen zur Rechtslage in Deutschland.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Information über Geschichte, Kultur, Pharmakologie und Rechtslage von Catha edulis. Er stellt keine Empfehlung zum Erwerb oder Konsum von Khat dar.
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